Kategorie-Archiv: Nur mal so

Ab welchem Batteriepreis lohnt es sich den Strom daraus zu beziehen?

TL;DR

Der Tipping-Point, also der Punkt an dem eine Technologie zum Selbstläufer wird, ist nah.

Zeitabhängige Stromtarife ausnutzen

Kleines Gedankenexperiment am Abend, wann lohnt es sich mit Batterien Strom für den Eigenverbrauch zu speichern? Wie? Na es gibt ja Stromtarife in denen der Nachtstrom preiswerter als der Tagstrom ist. Hier in Erlangen wäre das der Tarif “ERconomy Duo”. 29 Cent pro kWh in der Hauptzeit (wochentags von 6-22 Uhr) und 21,3 Cent in der Nebenzeit. Der Monatspreis beträgt 7,50€.

Angenommen man verbraucht 2/3 des Stroms am Tag in der Hauptzeit. Wenn man z.B. im Schnitt 8 kWh am Tag verbraucht dann sind das in der Woche also 29,33 kWh in der Nebenzeit und 26,66 kWh in der Hauptzeit. Das ergibt wöchentliche Kosten von 15,86€ (7,73€ + 6,25€ + 7,50€ / 4). Wenn man nun eine Batterie hätte mit der man 6 kWh zwischenspeichern könnte, dann könnte man sie in der Nebenzeit aufladen und den Strom am Tag daraus beziehen. Richtig?

Was spart man dadurch? Würde man den kompletten Strom in der Nebenzeit von Anbieter neben und sich in der Hauptzeit aus Batterien versorgen, dann würden sich die wöchentlichen Kosten auf 13,80€ belaufen. Auf das Jahr hochgerechnet wäre das eine Ersparnis von knapp über 100 €. Wenn Batterien und Wechselrichter 20 Jahre halten sollten, dann müsste beides zusammen also günstiger als 2000€ werden.

Batteriepreise

Durch die Massenproduktion von Batterien geht die Preisentwicklung steil nach unten. Laut Wikipedia lag der Preis pro kWh 2011 noch bei 500€, 2012 bei 350€ und 2013 bei 200€. Das heißt die 6 kWh Batterie müsste man für 1200€ kaufen können. Bleiben für den Wechselrichter noch 800€. Dafür sollte sich doch etwas ordentliches finden lassen, oder? Allerdings spart man da am Ende nichts …

Nur wenn die Preise weiter fallen wäre das eine Möglichkeit zu sparen. Wenn man nun allerdings Solarzellen hat, dann sieht die Rechnung ganz anders aus. Man speichert am Tag, noch günstigere Energie und verbraucht sie in der Nacht. Da diese Art von Speicher auch noch Förderung vom Staat erfährt, dürfte sich das mittlerweile doch rechnen, oder?

Und wie … ein 180 kg schwerer Batteriespeicher von E.ON mit 8,1 kWh kostet zwischen 16000€ und 17000€ … wohoo! Batterien zum 10-fachen Marktpreis, man fragt sich was daran besser ist. Ein 2000 Watt Wechselrichter gibt es für ein paar hundert Euro und selbst wenn man sich Lithium-Eisen-Phosphat Akkus bei Conrad für Mondpreise kauft kommt man nicht auf diese Summen (400€ für 0,3 kWh, d.h. 10800€ für 8,1 kWh). 8,1 kWh aus Autobatterien würden 3500€ kosten und im Keller müsste man dafür ja eigentlich genug Platz haben. Auch hier habe ich mal ein Produkt aus dem Conrad Katalog genommen, eine Batterie mit 200Ah für 700€, d.h. wir bräuchten 3,4 davon um auf 8,1 kWh zu kommen. Aber weil Bleiakkus weniger nutzbare Leistung haben, bräuchten wir wohl eher 5 Stück davon.

Rechnet sich das ganze?

Es rechnet sich also zumindest für Anbieter von Speicherlösungen und zum Teil für Solaranlagenbesitzer. Wenn man doch nur alles selbst bauen könnte, wahrscheinlich auch bald für jeden. Speichersysteme in jedem Haushalt um Kraftwerke nicht ständig hoch und runterfahren zu müssen und zum Ausgleich der schwankenden, regenerativen Energien? Für manche kann das ein geparktes Elektroauto leisten für andere der Speicher im Keller. Warum nicht? Ab einem bestimmten Preis macht es Sinn und wird Einzug halten … ganz einfach. Tipping-Point erreicht!

Batterie

Intel NUC Kit gekauft

NUC Kit

Ich wusste gar nicht, dass so etwas existiert. Da gibt es also Kits von Intel zu kaufen, die mit recht potenter Laptop Hardware versehen sind und in einer kleinen Box mit 12×12 cm Außenmaßen daher kommen. Man muss nur noch Arbeitsspeicher und eine Festplatte dazukaufen und hat einen kompletten Rechner!

Da meine VDR/XBMC/NAS Linuxmöhre, die ich seit ein paar Jahren habe, etwas groß und stromfressend daherkommt und ein zwischenzeitlich eingesetzter Raspberry Pi von der Geschwindigkeit her auch nicht ganz so überzeugend ist, habe ich mir also so ein NUC Kit bestellt.

Genauer ein DN2820FYKH: 7.5W TDP, Dualcore 2.4 GHz (Bay Trail), Wifi/Bluetooth, USB 3.0 & Infrarotsensor für 115 € … kein schlechter Deal ;-)

Ich werde berichten was diese neuen Dinger so können.

2 Jahre Warten auf die Makibox

Im Februar 2012 wurde ich von einem Teilnehmer auf dem Barcamp Nürnberg überzeugt einen 3D Drucker durch Crowdfunding zu unterstützen … heute vor 2 Jahren. Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich noch fabuliert, dass 2013 das “Crowdfunding-Jahr” wird. Das war so schon ganz richtig und alle dort aufgelisteten Produkte habe ich letztes Jahr auch früher oder später einmal in der Hand gehabt (Pebble) bzw. liegen auf meinem Schreibtisch (Oculus Rift & Leap) … nur die Makibox nicht.

Makibox

Seit dem 8. Februar ist sie allerdings immerhin schon auf Reisen. Ich bin weiterhin gespannt und werde hier natürlich berichten wie das mit dem 3D Drucken so funktioniert oder ob ich hier 2 Jahre auf Schrott gewartet habe. Nach wie vor ist es für mich unverständlich warum sie erst einmal an Besteller mit Express Versand Option verschickt haben und ihre ca. 300 ersten Unterstützer (das Crowdfunding, danach haben sie noch Vorbestellungen entgegen genommen) erst “irgendwann” berücksichtigen. Wären die Wartezeiten nicht so extrem könnte ich es noch verstehen, aber jemand der über 1 Jahr nach mir “bestellt” hat bekommt es nun Monate vor mir … unverständlich.

Was Crowdfunding angeht … nunja, ich warte noch auf folgende Projekte, Makible/Makibox ist also in guter Gesellschaft:

  • Carmageddon Reincarnation
    Estimated delivery: Feb 2013
    man wartet immer noch auf eine erste spielbare Version, aber regelmäßige Updates vom Team
  • Star Citizen
    Estimated delivery Nov 2014
    realistischer eingeschätzte Wartezeit von 2 Jahren, ebenfalls viele Updates
  • The Gallery: Six Elements
    Estimated delivery Jun 2013
    es gab bereits spielbare Demos, ich hatte das unterstützt weil sie groß Oculus Rift Support angekündigt haben … geht, aber man wartet immer noch auf ein fertiges Spiel ;-)
  • Among the Sleep
    Estimated delivery Dec 2013
    ebenfalls wegen der Rift unterstützt, es gibt eine Alpha und regelmäßige Updates
  • ARKYD: Space Telescope
    Estimated delivery Aug 2015
    ein Selfie in Space, wer kann da widerstehen? Ob im Plan oder nicht, kann man nicht so recht sagen ;-)
  • 7 Days to Die
    Estimated delivery Oct 2013
    ja nun … Zombies und Rift Support! Ich habe nur “mit beta access” unterstützt, das heißt ich kann bei den momentanen Alphas nicht mitspielen … aber ebenfalls weit hinter ihrem Zeitplan
  • Hex Copter
    Estimated delivery Dec 2013
    Musste sich umbenennen (Flexbot), es gibt schon die Android App dafür und Bilder wie sie den Mini-Hexacopter einpacken. Wird wohl März/April werden
  • Precision Gyroscope
    Estimated delivery Feb 2014
    sieht gut aus, sie haben auch schon ein paar verschickt, laut FAQ sollte ich mein Gyroscope Ende Juni erhalten
  • Touch Board
    Estimated delivery Mar 2014
    Produzieren bereits, erstmal ein paar Dutzend, dann 500, dann den Rest. Bin gespannt … hatte schon die leitende Farbe von denen und das war eigentlich ganz lustig und ein Arduino mit MP3/MIDI Interface könnte ganz interessant für einige Experimente sein. Ich vermute allerdings, dass sie sich auch um ein paar Monate verspäten werden.

Man sieht … nichts läuft so wie geplant bei Kickstarter. Allesamt viel zu optimistisch geschätzte Lieferzeiten ;-)

Beratung bei Telekommunikationsunternehmen

In den letzten Tagen war ich einmal bei Mnet und ebenfalls bei der Telekom im Laden gestanden und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Kann es wirklich sein, dass diese Telekommunikationsunternehmen leere Hüllen in ihre Läden stellen, die nichts anderes machen (und können) als die Webseite des Unternehmens für mich zu bedienen?

Bei Mnet füllte der Mitarbeiter das Anmeldeformular für einen neuen Anschluss aus und musste bei der Hotline anrufen, weil er sich über irgendetwas wunderte. Auf meine Frage was mit Glasfaser im Zentrum von Erlangen sei, wusste er keine Antwort obwohl im Laden fast ein Viertel der Fläche für eine Präsentation zum Stand des Ausbaus benutzt wird.

Bei der Telekom meinte eine junge Dame, dass man mit DSL 16000+ schon Glasfaser hätte (nach dem Ausbau von Glasfaser gefragt). Scheinbar ist dort das Wort Glasfaser ein Synonym für “Kunde hat T-Entertain”. Ich habe mir verkniffen zu bemerken, dass es ja ganz erstaunlich sei wie ein ganz normales DSL-Modem mit Glasfaser funktionieren kann und trotzdem am Ende nur 12 Mbit statt 16 herauskommen. Ich schätze sie würden auch VDSL als Glasfaser bezeichnen. Vorgabe von oben … Kunde will Glasfaser, sie haben es nicht, aber behaupten es damit Kunde nicht kündigt? Wer weiß das schon … jedenfalls alles am Rechner nachgeschaut in dem sie die Adresse eingegeben hat. Mehr nicht.

Halbwissen mit Rechnerunterstützung … brillant! Und verstörend :/

P.S.: Dann habe ich mir noch die Geschäfte in der Umgebung angeschaut. Bei Feller Electronic z.B. weiß man wenigstens was man verkauft und muss nicht dauernd an einem PC nachschauen. Auch ist der Laden nicht wie eine Boutique aufgebaut (Telekom!) :-)

Noch was zum Abschluss

Wenn dieses Jahr eines gezeigt hat, dann dass wir schon lange in der Totalüberwachung leben. Alles was wir anstellen wird eventuell aufgezeichnet. Ob durch Kameras und Payback-Karten offline oder durch Vorratsdatenspeicherung und NSA (bzw. Geheimdienste allgemein) online.

Wenn wir daraus bitte eines lernen könnten und im neuen Jahr verschlüsselte Kommunikation wenigstens ermöglichen könnten? Das geht nämlich eigentlich schon lange … aber um irgendwem etwas verschlüsselt zukommen lassen zu können, muss dieser jemand das eben einmal eingerichtet haben und das ist zu oft nicht der Fall. Stattdessen sendet man dann ZIP- oder Word-Dateien mit Passwort … yeah!

Webseiten können meist auch über HTTPS aufgerufen werden. Gerade bei Diensten bzw. sozialen Netzwerken sinnvoll. In fremden Netzen kann man über VPN-Verbindungen sicher gehen, dass einen wenigstens nicht der Provider abhören kann. Und wenn wir schon bei Webseiten sind, könnten die Dienstleister auf der anderen Seite von uns Konsumenten es bitte unterlassen Kreditkarten Daten im Klartext in irgendwelchen Datenbanken zu speichern, die sowieso regelmäßig gehackt werden? Danke ;-)

Nochmal einen guten Rutsch und hey, vielleicht findet mal wer Überwachungshardware an seinem PC/Auto … würde mich mal interessieren wie viele Jahre die zurück hängen im Vergleich zu was man bei Pearl & Co bestellen kann :D

Warum Elektroautos die Zukunft sind

Für die Leser, die noch nicht auf den Trichter gekommen sind, dass ein Elektroauto das bessere Auto ist, fasse ich es nochmal kurz zusammen:

  • Weitaus höhere Effizienz bei der Energieumwandlung
  • Drehmoment immer abrufbar
  • Mechanisch wesentlich einfacher aufgebaut
  • Leise

Das einzige Problem? Die Akkus sind teuer und damit ergibt sich auch  eine relativ geringe Reichweite für die meisten Elektroautos, weil das Auto ja noch bezahlbar bleiben soll. Tesla hat mit dem Modell S aber ein Auto mit einer außergewöhnlich großen Batterie – 85 kWh – auf den Markt gebracht. Schnellladestationen baut die Firma auch noch, so dass man mit geringen Pausen (30-40 Minuten für einen 80% vollen Akku) durch die ganze Republik fahren kann. Kostenlos für immer.

Mit dem steigenden Bedarf an Akkus geht auch die Weiterentwicklung entsprechend schneller voran. Zwar ist kein Wunder zu erwarten, das plötzlich die Kapazität vervielfacht, aber kleine Schritte addieren sich auf. Ähnlich wie bei Solarzellen mit denen man heute weit unter dem Steckdosenpreis Strom produzieren kann (warum hat die nicht jeder auf dem Dach? Ernsthaft?), sinkt auch der Preis für Lithium Ionen Akkus stetig. 200 € pro kWh schreiben einige Webseiten im Sommer 2013. Halbierung bis 2017 erwartet … ein 85 kWh Speicher (gut für 400 Kilometer) würde dann also 8500 € kosten. Aus so einem Akku bekommt man weit über 1000 Zyklen bevor die Kapazität nachlässt, d.h. 400000 Kilometer wären schon drin.

Es klingt wahrscheinlich, dass in den nächsten 4-5 Jahren Elektroautos auch preislich mit den normalen Autos konkurrieren können. Nicht jeder fährt 400000 Kilometer mit seinem Auto, aber auch bei 100000 Kilometern wäre das bei so einem Akkupreis günstiger als mit einem Benzinauto zu betreiben. Erst recht, wenn man an vielen Stellen kostenlos tanken könnte oder mit Solarzellen betankt.

Und dann wäre da noch der Wiederverkaufswert. Autos sind ja bekanntlich schon nur noch die Hälfte wert wenn man damit den ersten Kilometer gefahren hat. Naja, nicht ganz so krass, aber der Preisverfall ist enorm. Was wenn nun Elektroautos die iPhones unter den Autos werden? Hoher Wiederverkaufswert wegen der Batterie und weil der Rest am Auto so simpel herzustellen und zu warten ist?Was wenn Autos nur noch “to go” gemietet werden und sich selbst an Ladestationen fahren? Das alles wird die Zukunft beeinflussen.

Für mich sieht das danach aus, als ob die Kanzlerin mit ihren 1 Millionen Elektroautos 2020 “Forderung” Recht behalten könnte. Der Punkt an dem keiner mehr einen Verbrenner haben möchte könnte in diesem Jahrzehnt erreicht werden. Wenn es mein Blog dann noch gibt fällt mir hoffentlich ein, dass ich das damals geschrieben habe :-)

P.S.: Gleiches für regenerative Energieerzeugung. Solarzellen werden immer günstiger und sind bereits günstiger als Steckdosenstrom. Mit sinkenden Akkupreisen wird auch die Speicherung für kurze Zeiträume interessant und wenn man das Wachstum in dem Bereich betrachtet scheint es unaufhaltbar auf sehr hohe Anteile regenerativer Energiequellen in der Zukunft hinauszulaufen. Es dürften dieses Jahr schon 25% sein … vor 10 Jahren waren es nicht mal 8%. Da können sich Kohleverfechter noch lange daran klammern. Irgendwann gibt es einen Punkt an dem das Neue nicht nur besser, sondern auch günstiger sein wird und dann rentieren sich schlagartig keine der alten Kraftwerke mehr. Was dann?

Die Leute beschweren sich über Ruckler bei ihren Tablets und Smartphones wie wenn das ein Weltuntergang wäre … jemals vor einer Playstation 3 gesessen? Vor 7 Jahren sicher DER Hit, aber das Ding ruckelt schon bei einem Menü in einer Auflösung, die nur halb so groß ist wie bei einem aktuellen Tablet/Smartphone … erstaunlich, dass da überhaupt noch Spiele für erscheinen :D

So und jetzt mal GTA V antesten gehen …

Solar/Wind die Energiequelle der Zukunft?

Ich hole ein wenig aus … tl;dr Ich denke, ja

Exponentielles Wachstum wird von vielen nicht richtig verstanden, dabei passiert es überall um uns herum. Im Wesentlichen bedeutet das, eine Menge verdoppelt sich alle X Zeiteinheiten. Nimmt man z.B. Bakterien in einem Gefäß mit Nährboden, die sich jede Minute durch Zellteilung verdoppeln. Wenn sie einen kompletten Tag brauchen um das Gefäß randlos zu füllen, dann war es um 23:59 Uhr noch halb leer, um 23:58 Uhr nur zu einem Viertel befüllt und eine halbe Stunde vor Mitternacht noch kaum wahrnehmbar. Und selbst wenn plötzlich noch ein zweites Gefäß daneben gestellt wird, dann ist es eine Minute später voll (obwohl es 24 Stunden gedauert hat, das erste zu füllen). Das ist exponentielles Wachstum!

Computer verdoppeln ihre Rechenleistung alle 2 Jahre (Moore’s Law), eine Atombomben Explosion folgt dem gleichen Prinzip (fast die gesamte Energie in den letzten paar Verdopplungen produziert), die Bevölkerung der Erde verdoppelt sich alle X Jahre (Wikipedia hat dazu einen schönen Graphen rechts oben) und – deshalb der kleine Ausflug – auch die installierten Solarzellenpower verdoppelt sich. 60% der Solarzellen wurden erst in den letzten 2,5 Jahren aufgestellt. Man geht davon aus, dass es weltweit derzeit eben diese 2,5 Jahre dauert … pro Verdopplung.

Was bedeutet ein solches Wachstum? Nun, in 2012 hatte Solarstrom einen Anteil von 4,7% am Bruttostromverbrauch. Im Jahr zuvor 3,1%. Ihr merkt vielleicht worauf ich hinaus will … die Regierung möchte 80% der Energie aus regenerativen Energiequellen beziehen … bis 2050! Bei der momentanen Wachstumsrate benötigt es aber nur 4,3 Verdopplungen bzw. 11 Jahre um auf 100% durch Solarzellen zu kommen. Nun ist es möglich, dass irgendwann alle Dächer voll sind und es sich nicht mehr lohnt mehr Solarzellen aufzustellen als man für den Eigengebrauch benötigt. Aber Wind wächst auch exponentiell, allerdings langsamer als Solar mit ca. 3 Jahren für eine Verdopplung (international, in Deutschland derzeit etwas langsamer) der installierten Leistung.

Was bedeutet das? Nun, das Endspiel wird ein Gleichgewicht zwischen Wind und Solar sein (beides zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedlich ergiebig) und wie im Bakterienbeispiel oben, wird das erst kurz vor Schluss so richtig bemerkbar werden.

Das Fraunhofer Institut hat zu dem Szenario 100% regenerative Energie 2012 eine Studie veröffentlicht (Direktlink zum PDF, sehr lesenswert) und darin simuliert wie das überhaupt zu bewältigen wäre. Darin haben sie auch die Wärmekosten berücksichtigt. Bei 100% (ohne Im- und Exporte) braucht es gewaltige Mengen an Speichern. Sowohl Strom (Batterien) als auch Gas (Methan-Produktion) und Wärmespeicher. Bei einem Anteil von nur 70% wäre das noch fast gar nicht nötig. Hoffentlich verschlafen wir den Moment in dem wir solche Speicher bauen also nicht ;-)

In ihrer Kostenrechnung kam es übrigens nicht teurer als die jetzigen, jährlichen Ausgaben für Energie. Und die Kosten für regenerative Energie sind hauptsächlich Kapitalkosten (Aufbau und Ersetzen) und Wartung. Die Rohstoffkosten entfallen. Und natürlich gibt es auch exponentielles Wachstum … Solarzellen sinken im Preis kontinuierlich und nähern sich ihrem Rohstoffpreis an und so wird das über die Zeit eher günstiger als teurer werden, wie bei einer Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen der Fall.

Warum schreibe ich darüber einen Artikel? Es gibt eine Facebookseite “I fucking love science”, die ab und zu etwas über Solarenergie schreiben. Heute dieses Bild:

Solar Radiation

Die Kommentare dazu sind der typische Mix. Ein paar Leute, die es toll finden, ein paar Atombefürworter, die exponentielles Wachstum nicht verstehen und natürlich welche, die meinen eine Solarzelle würde die für die Herstellung verbrauchte Energie nie zurückgewinnen und es lohnt sich nicht und würde zu Stromausfällen führen, blabla. In der Realität produziert eine Solarzelle diese Energie in 1,5 bis 5 Jahren und ist also Energiebilanz positiv.

Ob sich das lohnt ist für jeden Standort unterschiedlich. Die EU hat mit China für Solarimporte einen Mindestpreis von 57 Cent pro Watt ausgemacht. In (Süd-)Deutschland hat man pro installiertem Kilowatt 950 kWh pro Jahr an Stromerzeugung (siehe z.B. in meinem Wohnort Möhrendorf das Dach der Turnhalle). Die Rechnung ist recht einfach … 570 € für ein Kilowatt Solarpanel bei einem derzeitigen Strompreis von 28 Cent pro kWh bedeutet, dieses Panel hat sich nach 2036 kWh gelohnt. Das sind etwas über zwei Jahre und selbst wenn man noch pessimistisch 1000 € pro Kilowatt an Installationskosten drauf schlägt lohnt es sich nach 6 Jahren. Und “lohnen” heißt hier, nach dem Zeitraum kostet die kWh Strom nicht mehr 28 Cent, nicht 20 Cent, nicht 10 Cent, sondern 0 Cent. Über 20 Jahre gerechnet wäre des kWh Preis im Mittel dann bei 3-8 Cent je nach Installationskosten. Wer sich dann eine solche Anlage nicht auf sein Dach schraubt zahlt scheinbar gerne den mind. 3-fachen Strompreis ;-)

Das funktioniert natürlich in dieser vereinfachten Rechnung nur so lange man keine zusätzliche Infrastruktur (Speicher) braucht und momentan ist der Preis auch noch etwa doppelt so hoch wie dieser festgelegte Mindestpreis. Aber ist keinesfalls so, dass es sich nicht lohnen würde. Und das führt mich zurück zu dem Bild, da Deutschland nun nicht gerade für seine sonnigen Tage bekannt ist, lohnt es sich in den USA gleich doppelt und ich kann über die Kommentare nur meinen Kopf schütteln.

Was meint ihr? Solar und Wind unaufhaltsam? Wird es Anfangsubventionen für Speichertechniken geben, die solche Einrichtungen lukrativ machen oder wird das von selbst passieren (z.B. Batterien in jedem Keller oder über das Elektroauto in der Garage)? Kann es wirklich schon in 20 Jahren so weit sein, dass man kaum noch fossile Rohstoffe benötigt?

Grüße

P.S.: Auch der fossile Energieverbrauch unterliegt einem exponentiellen Wachstum (bevor er hoffentlich durch andere Energieformen unterbrochen wird) und dem Bakterienbeispiel folgend sind die Vorräte nur zwei Verdopplungen vor dem Ende noch 3/4 voll …

Negative Strompreise und billiger Nachtstrom

Ich habe mich gerade gefragt, ob es eigentlich noch Stromtarife mit günstigem Nachtstrom gibt, weil da brauchen ja nicht so viele Leute Strom und deshalb günstiger oder so … aber halt! Macht das überhaupt noch Sinn?

Wenn man sich die Charts der Europäischen Strombörse anschaut, dann ist in Deutschland der Strom zwischen 11 und 18 Uhr am billigsten, weil es hier Überproduktion durch Solaranlagen gibt.

Das heißt doch eigentlich, dass die Stromanbieter lieber günstigere Tagtarife anbieten sollten, damit Mittags mehr Strom verbraucht wird und der Strom nicht so verscherbelt werden muss. Liege ich falsch?

Dann kämen so Tage wie der 16. Juni vielleicht seltener vor. Auch interessant ist die Nacht auf den 25. Dezember 2012 … hier wurde wohl auch zu viel Strom produziert und man musste dafür bezahlen, dass andere den Strom nehmen …