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Nur mal so

Die Energiewende und ihre Skeptiker

Richtig ist: Der rasch steigende Anteil an Ökostrom ist der Motor der Energiewende. Er treibt den Ausbau der Netze und den Umbau der Versorgungssystems voran. Die Geschwindigkeit ist so hoch, dass die Kosten der kommenden Jahre weit schneller und höher anfallen als geplant. Dazu gerät die Koordination außer Kontrolle, Projekte laufen schief, was die Kosten zusätzlich treibt.

Richtig ist aber auch: Eine Verlangsamung des Prozesses würde nicht viel bringen. Im Gegenteil. Je höher der Zeitdruck, desto eher einigen sich Umweltminister und Wirtschaftsminister, Kabinett und Parlament, Koalition und Opposition, Bundestag und Bundesrat. Außerdem haben Lobbyverbände bei hohem Reformtempo wesentlich geringere Chancen, Gesetze zu verwässern.

Auf Spiegel Online gibt es momentan einen Artikel über die Energiewende und unserem Umweltminister Altmaier. Das Problem – wie fast immer in aktueller Berichterstattung beschrieben – sind die fehlenden Leitungen.

Ich würde sagen auch die Bürger sind teilweise ein Problem. Man muss sich nur die Forenbeiträge zu diesem Artikel anschauen. Schmarrer und Stammtischler ohne Ende. Einer der hartnäckigsten Kritikpunkte ist immer wieder, dass die Herstellung von Windrädern und Solaranlagen viel Energie verbrauchen würde. Mehr als sie jemals wieder einbringen könnten. Was für ein Bullshit und auch ziemlich verquer gedacht.

Im Netz gibt es genügend Modellrechnungen und Erfahrungsberichte über die Amortisierung von solchen Anlagen, bis sie ihre Herstellungskosten (bzw. -energie) wieder reingeholt haben. Solar liegt irgendwo zwischen 2 bis 6 Jahren je nach dem was man so liest. Was passiert nach diesen 6 Jahren? Die Anlage produziert Energie und braucht noch gelegentliche Wartungen (Kosten).

Wie sieht das mit einem Kraftwerk aus? Kohle und Gas verbrauchen während der gesamten Laufzeit einen endlichen Rohstoff des Planeten und das nicht zu knapp. Sie können sich also während ihrer gesamten Laufzeit nicht energetisch amortisieren. Nie! Sie werden immer mehr Energie verbrauchen als sie produzieren.

Auch bei Solar und Wind ist das so, aber sie verbrauchen Energie (Sonne), die dem System (Erde) von außen zugegeben wird und nicht die absehbar knapper werdenden Rohstoffe der Erde selbst. Ergo ist ihr Erntefaktor größer als 1 und jeder Depp müsste das eigentlich sehen können, oder nicht?

So … musste ich mal schreiben. Wer so engstirnig und kurzfristig denkt, arg … da kann man nur die Stirn runzeln. Deutschland mag nicht der ideale Standort sein, aber wir können uns das leisten auf diesem Gebiet die Vorreiter zu sein. Man nennt es, glaube ich, Investition in die Zukunft. Das und mehr Raumfahrt (RIP erster Mensch auf dem Mond) wünsch ich mir ;-)

P.S.: Atomenergie habe ich außen vor gelassen. Hier wird kein fossiler Brennstoff benötigt, aber auch Uran ist ein endlicher Rohstoff und somit dürfte irgendwann der Zeitpunkt kommen an dem es sich nicht mehr lohnt das Erz aufzubereiten. Einzig Fusion („immer 30 Jahre weg“) scheint eine gute Idee zu sein, aber das geht ja auch eher schleppend voran.

P.P.S.: Solarenergieproduktion verdoppelt sich in letzter Zeit alle 18 Monate. Das ist anfangs nicht viel, aber schon in 10 Jahren wäre das eine Verhundertfachung der Energieproduktion!

P.P.P.S.: Die Gegner der Energiewende sind wohl auch die gleichen Leute, die sich ein Smartphone per Ratenzahlung kaufen und sich dabei denken, dass sie etwas sparen würden.

6 Antworten auf „Die Energiewende und ihre Skeptiker“

Hallo,
ich habe samstag auch über das Thema Energiewende berichtet. Daher denke ich, dass ich ein wenig über das Thema weiß. Aber auch unter dem Gesichtspunkt muss ich sagen, dass deine Formulierungen richtig gut sind und auch ich noch was bei dir gelernt habe.

Danke dafür!

Liebe Grüße

Hey! Das ist ein guter Artikel, allerdings muss man anmerken, dass wir immer noch keine Speichertechnologie haben, sodass sich der weitere Ausbau der Photovoltaik nur noch ein paar Jahre lohnen wird und wir Kohle- und Gaskraftwerke (auch als Ersatz für die Kernkraftwerke) noch weiter brauchen. Daher sehe ich in der Reduktion des Heizenergiebedarfs (80% des Haushaltsenergiebedarfs) große Möglichkeiten. Dies könnte man auch durch Solarkollektoren zur Wassererwärmung erreichen!

und die eingesparte Energie in Form von Öl und Gas kann man in den Kohle-und Gaskraftwerken verheizen :)
Das ist zwar nicht ideal, aber bei 80% sind die Einsparpotentiale durch relativ preisgünstige Methoden (z.B. nachträgliches Isolieren hintter der Heizung)hoch.

Ich glaube kaum, dass bessere Heizungen bzw. eine Reduktion des dortigen Energiebedarf etwas bei der Stromrechnung ändert, denn schließlich heizt kaum jemand mit Strom, oder?

Speicher gäbe es genug und sogar dezentral, wenn Elektroautos dafür verwendet würden. Dort sind Batterien verbaut, die durchaus die Schwankungen ausgleichen könnten und sie dienen auch noch einem anderen Zweck (Fortbewegung), so dass die Anschaffungskosten vertretbarer sind. Das könnte sich schon alleine deswegen schon bald lohnen, weil der eigentliche Strompreis (nicht der Endkundenpreis) extremen Schwankungen unterliegt. Nachts aufladen und tagsüber an das Netz verkaufen ;-)

Für feste Speicher scheinen Flüssigmetal Batterien vielversprechend zu sein.

Lange Leitungen (Sonnenenergie aus anderen Zeitzonen) und viel Speicher (für die Nacht) und billige Energie (Solar wenig teurer als die Rohstoffkosten für die Panels & Fusion) … so wird es in Zukunft wohl aussehen.

Ja, natürlich heizt kaum jemand mit Strom, aber man muss das große Ganze sehen: Das Öl und Gas zum Heizen gehen zur Neige, nicht nur Kohle. Deswegen gibt es die Energiewende ja auch. Man kann Kraftwerke auch mit Öl und Gas betreiben; wo also ist das Problem, wenn man das versucht einzusparen, welches den größten Anteil im Haushalt hat? 80% sind gigantisch viel. Damit kann man doppelt so lange den Strombedarf decken. Insbesondere wird aus Gas über 90% des gesamten Kunstdüngers hergestellt, weswegen es ratsam wäre, so wenig Gas wie möglich zu verheizen, damit wir in 30 Jahren noch etwas auf dem Teller haben!
Damit schafft man zwar nicht die Energiewende, weil die Speicher fehlen, jedoch sichert man sich ein paar Jahre Zeit…

Elektroautos halte ich nicht für realistisch, da ja die Motoren aller Autos, ersetzt werden müssten. Auch werden enorme Mengen Ressourcen benötigt, deren Abbau die Umwelt verseuchen. Butanol oder Ethanol sind da eher geeignet.
Vielleicht gibt’s ja bald genveränderte Algen, die sich schnell vermehren und dann direkt das CO2 im Kraftwerk umsetzen. Die Algen kann man dann zu Ethanol umsetzen.

Kernfusion hört sich gut an, allerdings darf man sich wohl nicht darauf verlassen, dass es noch was wird…
Vielleicht kann man ja einen Vulkan (Eifel, Italien, Islan) anbohren, in mittelferner Zukunft. Das halte ich für genauso wahrscheinlich.

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