F**k you Innenminister!

Aus der gestrigen Pressemitteilung des bayrischen Innenministers Joachim Herrmann …

Ich fordere die Computerspielbranche auf, den schönen Worten endlich Taten folgen zu lassen und auf Herstellung und Vertrieb von Killerspielen in Deutschland freiwillig zu verzichten. Killerspiele gehören bislang zu den intensiv beworbenen Hauptumsatzträgern der Branche. Mit derartiger Tötungstrainingssoftware, die zum Beispiel von der US-Army zur Vorbereitung von Soldaten auf Kampfeinsätze verwendet wird, dürfen in Deutschland keine Geschäfte mehr gemacht werden.

Was reitet die CSU bzw. diesen Minister dabei, wenn er solche Sachen sagt? Was immer diese Killerspiele sind mit denen die US-Army trainiert (klingt natürlich gleich viel bedrohlicher) … aber es kommt noch schlimmer …

Für Herrmann ist es wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt. „Damit sind derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt und auch für Amokläufe, in den Szenen aus Killerspielen in die Realität übertragen werden.“

Immerhin steht da „für Herrmann“ und „eine der Ursachen“. Also eine hoffentlich einzigartige Realitätsverzerrung. Klar mag es abstumpfen wie auch Gerichtsmediziner ein besonderes Verhältnis zu Leichen entwickeln, aber es so hinzustellen, als ob man jetzt Spiele (vermutlich sind alle damit gemeinten Spiele eh ab 18 bzw. indiziert) für Jugendgewalt verantwortlich machen könnte … neee du! Genauso wenig wie Herr Herrmann Computerspieler kennt, genauso wenig kennt er die Jugend und deren Probleme. Eine der Ursachen für Jugendgewalt mag vielleicht auch Politikverdrossenheit sein, weil „die da oben“ dauernd so einen Stuss von sich geben … aber es kommt noch schlimmer …

Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.

Verbietet Politiker, ganz besonders welche die so einen Stuss von sich geben. In ihrer schädlichen Auswirkung stehen sie auf einer Stufe mit … ach ich lass mal die blöden Vergleiche. Ihr habt einfach eine schädliche Auswirkung, wenn ihr so was von euch gebt. Weg mit dir!

P.S.: Hiermit stelle ich das Verbot von Drogen und Kinderpornografie in Frage. Gerade letzteres wird mir in zur Zeit zu oft für fragwürdigen Aktionismus ausgenutzt, der letztlich allen enorm schadet. Ebenso wie die Angst vor Terroranschlägen … wird schamlos ausgenutzt um die Allmachtsphantasien einiger Politiker Wirklichkeit werden zu lassen. Oder vielleicht sind sie auch einfach nur dumm und wissen nicht was sie da tun …

7 Antworten auf &‌#8222;F**k you Innenminister!&‌#8220;

  1. Na also dass Du die US-Army Killerspiele nicht kennst, disqualifiziert Dich ja eigentlich, über die Pressemitteilung zu lästern. Die sind doch sehr bekannt.

    Aber gerade wenn die US noch nicht mal Probleme damit haben, mit dieser Software für die ach so tolle Armee zu werben, was hat dann Bayern dagegen?

    Aber immerhin fordert er einen freiwilligen Verzicht und kein Verbot. Das finde ich gut.

    Und wie es auch auf einer Stufe mit Drogen ist, fordere ich da auch lieber auf einen freiwilligen Verzicht, als auf ein Verbot.

    Aber „In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.“ finde ich hart. 1. sind Drogen und Kinderpornografie nicht auf einer Stufe. 2. IST Kinderprnographie bereits die Auswirkung und nicht die Ursache einer schädlichen AUswirkung und 3. stellen sehr viele das Verbot von Drogen (Kaffee, Zigaretten, Schokolade, Koks, Marihuana, etc…) in Frage.

    1. Welche Spiele spielt denn die US-Armee und warum darf sie bei uns ein volljähriger Bürger dann nicht spielen? Iiiiih pfui, die US-Armee spielt das? Oh wie darf man sich das vorstellen.

      Also ich vermute mal sie nehmen dazu ihr eigenes Spiel „America’s Army“ und nicht etwa Counterstrike, Fear, Madworld, Mortal Kombat, etc … wobei die Vorstellung, dass Soldaten spaßige „Finish-Moves“ lernen sollen, durchaus etwas hat. Bei der Wahlkampf gab es ja auch eine Mortal Kombat Version mit den zu wählenden Kandidaten … also warum nicht ;-)

      Spaß bei Seite, solche Argumente sind bescheuert. Weil sich Diktatoren gerne baden wird ja auch nicht abfällig auf die Badewann herab geschaut, oder?

  2. Herr Hermann schreibt doch: „Killerspiele gehören bislang zu den intensiv beworbenen Hauptumsatzträgern der Branche.“

    Aha – gibt es nicht bereits ein Werbeverbot für indizierte FSK18-Sachen jedweder Art?

    Die Bundesprüfstelle hat für Counterstrike den Antrag auf Indizierung mit folgender Begründung abgewiesen: „In dem Spiel werden in erheblichem Umfang strategische Vorgehensweisen angeboten, als auch die Möglichkeit in den Spielergemeinschaften zu kommunizieren“, heißt es in der Begründung.

    Vielleicht sollte man ebenso alle Spiele verbieten in denen man strategisch und kommunikativ vorgehen muss. Hearts, Solitär, ICQ gehören in diese Sparte Herr Hermann – nur um ihnen schonmal den Rechercheaufwand zu ersparen.

    Bei der Recherche für die tollen Wahlkampfparolen gings ja auch nicht anders her. Oder wie kommt man auf das Ergebnis Drogen und Killerspiele auf eine Stufe stellen zu wollen? Valve = Drogenmafia? Steam = Dealer? CT = Drogenabhängige? Könnte hinkommen…

    Kinderpornografie = Drogen?!?! Herr Hermann, hier wäre ich etwas vorsichtig. Das hat schon anderen Politikern das Genick gebrochen – manch einer hat sogar sein Bundestagsmandat aufgegeben und da müssen sie ja erstmal hinkommen…

    Die ganzen Parolen sind nichts anderes als Gepolter um in die Presse zu kommen. Es beginnt die Wahlkampfzeit, da muss er das sagen – auch wenn er kein Wort davon versteht was er sagt – aber wenns dem Stimmengewinn dient ist ihm alles Recht. Wird schon mal nicht gewählt. :)

  3. Herr Manson und Konsorten sind diesmal noch gar nicht beschuldigt worden – hat der Junge denn keine Musik gehört, der man die Schuld in die Schuhe schieben kann?

    Wenn es politisch gewollt ist, dass man keine Spiele mehr spielt, sondern sich lieber auf den Schießständen der Republik mit echten Waffen vergnügt, wird es sicherer für alle.

    Die Fähigkeiten, die man dort lernt, wie eine Waffe zu laden, entsichern, eine Ladehemmung zu beseitigen und zu treffen sind natürlich weit weniger nützlich für böse Menschen als das ach so strategische vorgehen, das man in Egoshootern lernt.

  4. Er hat bestimmt Slipknot und Slayer gehört. Mache ich ja auch nicht anders, wenn ich mich auf eine Schlacht vorbereite … mei mei.

    Angeblich soll der Umgang mit der Waffe ja Sicherheit geben. Dann lernt man was für ein gefährliches Gerät man in der Hand hält usw. jawohl. Amoklauf mit meinem Sportbogen, unvorstellbar ;-)

  5. Brief an die Bayerische Staatsregierung:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    für Herrn Innenminister Herrmann ist es laut Pressemitteilung „wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger [Computer-]Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt.“

    ( Quelle: http://www.stmi.bayern.de/presse/archiv/2009/127.php )

    Da mir keine einzige Quelle bekannt ist, wonach dies „wissenschaftlich klar erwiesen“ ist, hätte ich hierfür gerne eine beispielhafte Quellenangabe von nur einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, welche zu diesem eindeutigen Ergebnis kommt und weshalb beispielsweise die von mir genossene staatliche Zwangsausbildung zum mitleidlosen Töten (Bundeswehr) diese oben beschriebene Wirkung nicht haben soll.

    Zudem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass im Zuge von „LAN-Partys“ es keinen einzigen Fall gibt, bei dem die Polizei wegen gewaltsamer Ausschreitungen eingreifen musste – übrigens im Gegensatz zu Fußballspielen, in deren Umfeld es in der Bundesrepublik erwiesenermaßen bereits etliche Tote gab – komischerweise fordert kein Politiker, Fußball zu verbieten.

    Zudem würde mich interessieren, weshalb von den Millionen Wehrmachtveteranen, welche nun wirklich ohne Zweifel zum „mitleidlosem Töten“ erzogen wurden und dies auch Jahrelang praktizieren mussten, es nach dem Kriege nur einen einzigen Fall eines amoklaufenden Veteranen gab (am 11. Juni 1964 in Köln ). Ist Herr Herrmann der Meinung, dass Computerspiele stärker traumatisieren als der Zweite Weltkrieg?

    Ich selber habe noch im Studium diese Spiele gespielt und habe als junger mehrfacher Familienvater und Diplomingenieur heute andere Präferenzen – nach der Mitteilung von Herrn Herrmann und die angeblichen „wissenschaftlichen Nachweise“ mache ich mir jedoch Sorgen über verborgene potentielle Traumatisierungen, welche möglicherweise in mir schlummern.

    Daher nochmals die Bitte meinerseits nach wenigstens einer ernsthaften Veröffentlichung mit besagtem „eindeutigen Nachweis“

    Mit freundlichen Grüßen
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